Große Koalition spart bei Menschen mit Erwerbsminderung - Plusminus heute 21.45 Uhr ARD

      Große Koalition spart bei Menschen mit Erwerbsminderung - Plusminus heute 21.45 Uhr ARD

      Altersarmut wirksam bekämpfen, das ist das Ziel der
      Rentenreformpläne der Großen Koalition. Besonders häufig von
      Altersarmut betroffen sind Menschen, die wegen einer Krankheit nicht
      mehr arbeiten können. Rund 1,8 Mio. Betroffene hatten nach den
      Ankündigungen der Arbeitsministerin große Hoffnung. Doch die werden
      nun enttäuscht. Denn das Reformpaket, das mehr Sicherheit bringen
      sollte, erweist sich bei der Erwerbsminderungsrente als Mogelpackung.

      Bestandserwerbsminderungsrentner keine Leistungsverbesserungen - soziale Gerechtigkeit a la Nahles SPD !!

      Für Sozialwissenschaftler Prof. Stefan Sell von der Universität
      Koblenz ist das eine Mogelpackung: "Die Politik verkauft die
      Erhöhung der Zurechnungszeit bei den Erwerbsminderungsrentnern ja
      als eine Verbesserung. Dabei ist es faktisch gesehen nichts anderes
      als ein Hinterherhecheln hinter der allgemeinen Entwicklung eines
      höheren Renteneintrittsalters. Wir haben da ja schon die
      schrittweise Einführung der Rente mit 67. Es wird schon über noch
      höhere Eintrittsalter in die Rente diskutiert. Und jetzt zieht man
      die Erwerbsminderungsrentner quasi hinten mit und das verkauft man
      jetzt als besondere Verbesserung."


      Die Bestandsrentner einzubeziehen, das ist der Bundesregierung zu
      teuer. 3,2 Milliarden Euro werden die geplanten Verbesserungen der
      Erwerbsminderungsrente kosten. Nicht viel, im Vergleich zu anderen
      Teilen des Rentenpaketes bestätigt Sozialwissenschaftler Prof.
      Stefan Sell: "Wenn man sich anschaut, wo die Milliarden gerade
      hinverteilt werden, ob das die Rente mit 63 war für einige wenige
      Jahrgänge oder die Mütterrente, jetzt die
      Ost-West-Renten-Angleichung. Das sind ja gewaltige
      Milliarden-Beträge. Für die Erwerbsminderungsrente fällt quasi nur
      ein Krümel ab."

      Wie ernst meint es die Bundesarbeitsministerin also mit der
      Bekämpfung der Altersarmut? Das hätten wir Andrea Nahles gerne
      gefragt.

      Mehr als drei Wochen hat sich Plusminus um ein Interview zu diesem
      Thema bemüht. Doch die Ministerin hat für unsere Fragen angeblich
      keine Zeit und lässt nur schriftlich antworten. Bestandsrentner
      würden prinzipiell nicht berücksichtigt, weil:
      "…Leistungsverbesserungen in der gesetzlichen
      Rentenversicherung grundsätzlich nur für neu beginnende Rentner
      erfolgen."


      Gegen das Armutsrisiko von 1,8 Millionen Erwerbsminderungsrentnern
      tut die Bundesregierung also nichts.


      Quelle Plusminus