Barmer behauptet: Über 70Jährige liegen zu lange im Krankenhaus rum

      Barmer behauptet: Über 70Jährige liegen zu lange im Krankenhaus rum

      Die Barmer Krankenkasse rechnet der desinteressierten
      Öffentlichkeit in ihrem aktuellen “Krankenhausreport” vor:
      Zwischen 2006 und 2015 sei die Zahl der über 70Jährigen
      PatientInnen um 80 Prozent, von 1,1 auf 2 Millionen Personen
      gestiegen. In Boulevardblatt-Manier versucht das
      Sozialstaats-Unternehmen zu skandalisieren, was ihm unter dem Begriff
      "demografische Veränderung" seit langem bekannt, aber
      desjhalb noch lange kein Grund gewesen ist, vehement die ausreichende
      Anzahl von Fachbetten für Geriatriein den Landkreisen zu fordern.

      Um diese und andere Empörungen aus der
      Krankenkassen-Industrie unter die Leut´ zu bringen gibt es, neben
      vielem Anderem, das Internetportal gerechte-gesundheit. Das Portal
      beschreibt sich als eines, das seit Jahren die Debatte zu
      "Verteilungsgerechtigkeit" und "Ressourcenallokation"
      begleitet und die gesellschaftliche Diskussion" auf den Punkt"
      bringt.Finanziert wird es vom AOK Bundesverband und der
      AOK-Gesundheitskasse.

      Unter der Überschrift: "Barmer sieht Fehlanreize in der Geriatrievergütung", kann man im
      Portal lesen: "Die Dauer der Behandlung (älterer Patienten)
      solle sich stärker am individuellen Bedarf des Patienten und an
      medizinischen Kriterien orientieren“. Vom Vorstandsvorsitzenden der
      Barmer, Herrn Straub, wird dieser Satz so interpretiert: "Kliniken
      können eine höhere Pauschale abrechnen, wenn ein Patient mindestens
      zwei Wochen lang stationär bleibt." Dieser "Fehlanreiz",
      müsse verschwinden, das koste zu viel. Straub wünscht sich, auch im
      Hinblick auf die Zahl der nachwachsenden Alten, mehr so etwas wie ein
      Rupp-Zupp-Prinzip: Rein ins Krankenhaus, unters Messer, zwei Tage
      Aufenthalt, dann raus.

      Neue Strukturen entwickeln, um die Alten der Zukunft "adäquat" und gewinnverträglich abzufertigen
      Die Senkung der 14-Tage-Kosten-Pauschale
      für über 70Jährige ist nicht die einzige - gegen die Bvölkerung
      gerichtete - Forderung der Barmer. Für eine Art "Fehlanreiz"
      hält sie auch Kliniken, die nicht über mindestens fünf
      Fachabteilungen verfügen. Statt in kleinere Krankenhäuser zu
      investieren, um die ortsnahe Krankenhausversorgung merklich zu
      verbessern, will die Barmer sie dichtmachen. Nur noch in wenigen
      Hundert Kliniken soll fortan die ambulante und stationäre Behandlung
      erledigt werden. Pro Jahr werden zur Zeit 20 Millionen PatientInnen
      aller Altersgruppe ambulant behandelt und 19,2 Millionen stationär
      aufgenommen!

      Der Druck der Krankenhausschliessungs-Mischpoke
      ist stark, und die Gegenwehr der Noch-Gesunden so schwach, dass die
      künftige CDU/FDP-Regierung einer drastischen Reduktion der ortsnahen
      Krankenhausversorgung keine Steine in den Weg legen wird. Dann
      könnten, zwecks Stärkung der Binnenwirtschaft, Monsterkliniken
      (fehl)geplant und (fusch)gebaut werden. Mit gruseligen Bettentürmen
      und kajütengroßen Zimmern samt vorfabrizierten Plastiknasszellen
      und Normfenstern, die nicht zu öffnen sind. Drumherum oder drunter
      angelegt: Parkplatzbewirtschaftungszonen, Hubschrauberlandeplätze,
      Mikroappartements für´s Personal und viele viele Spezialgebäude
      mit langen langen Gängen.

      Wer verdient an Krankenhauskonzentration und Leistungskürzungen?
      Wer verdient : an der Kürzung der Verweildauer für über 70Jährige PatientInnen?
      - an der Schließung kleiner und mittelgroßer Krankenhäuser?
      - am Ausschlachten und Verhökern der anfallenden Krankenhausimmobilien?
      - am Neubau von Großkliniken?
      - am Einkauf des Klinikbedarfs?
      - an der Ausbildung sämtlicher FachärztInnen und Pflegeschüler an wenigen Monsterkliniken?
      - an den bakteriellen Müllhalden, die sich in den Großkliniken ein schönes Bakterienleben machen?

      - Wer profitiert, wenn über 70Jährige, die nicht in einer Großstadt leben, in eine Ambulanz oder Bettenburg weit weg von zu Hause verfrachtet werden, wo niemand sie kennt und umgekehrt?
      - Wer hat etwas davon, wenn die Beziehungen zwischen den PatientInnen und ihren Verwandten, Nachbarn und Freunden nichts mehr gelten?
      - Wer steckt den Profit ein, wenn die "blutige Entlassung" von älteren PatientInnen zum Regelfall wird?
      - Wem ist daran gelegen, die flächendeckende und wohnortnahe Erreichbarkeit von Krankenhäusern zu zerschlagen?

      altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=8323
      Nun, die Barmer hat ihre Absichten publik gemacht. Also bringen sie ihr
      etwas ein. Der AOK auch. Ihre Ausgaben für die Finanzierung des
      Portals (markt)gerechte-gesundheit zahlen sich aus.


      Siehe dazu: Professoren fordern:1.600 Allgemeinkrankenhäuser schliessen!

      altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=8269