Anspruch auf Cannabis hängt auch vom Gerichtsort ab

      Anspruch auf Cannabis hängt auch vom Gerichtsort ab

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      Das Landessozialgericht Darmstadt setzt hohe Hürden für die
      Cannabis-Verordnung. Andere Gerichte sind liberaler.

      DARMSTADT. Für die seit März 2017 bestehende Möglichkeit,
      Cannabis zu GKV-Lasten zu verordnen, gibt es hohe Hürden. Laut einem
      Eilbeschluss des Hessischen Landessozialgerichts begründen
      insbesondere allein starke Schmerzen noch keinen Anspruch. Nach einem
      weiteren Beschluss gilt gleiches bei Fibromyalgie. Dagegen hatte ein
      Mann mit chronischen Bauchschmerzen Erfolg.

      Das Sozialgesetzbuch V bindet die Cannabis-Verordnung an die
      Voraussetzung, dass sie zumindest Linderung für eine "schwerwiegende
      Erkrankung" verspricht. Zudem darf es keine schulmedizinische
      Alternative geben, oder diese darf dem Patienten nach ärztlicher
      Einschätzung nicht zuzumuten sein, etwa wegen starker
      Nebenwirkungen
      . Nach Ansicht des LSG Darmstadt reicht danach ein
      reines Schmerzsyndrom für eine Cannabis-Verordnung nicht aus.
      Vielmehr müsse den Schmerzen ein "schwerwiegendes
      Krankheitsbild" zugrunde liegen, das "mittels ärztlicher
      Befundberichte" belegt ist. In einem anderen Fall verweigerte
      das Gericht auch einem Patienten mit Fibromyalgie die
      Cannabis-Verordnung. Nach bisheriger Studienlage wirke Cannabis hier
      nicht lindernd. In beiden Fällen rügten die Richter zudem, die
      Ärzte hätten schulmedizinische Alternativen nicht ausreichend
      geprüft.


      In einem dritten Fall litt ein Mann unter starken chronischen
      Bauchschmerzen, die sein Leben schwer einschränkten. Grund waren
      wiederholte Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und eine
      Pankreatikojejunostomie. Selbst Morphium konnte die Schmerzen nur
      leicht mindern. Der Arzt verordnete ein Cannabis-Mundspray. Dieses
      bringe zumindest die Aussicht auf Linderung, eine schulmedizinische
      Alternative gebe es nicht, befand das LSG. Daher müsse die Kasse das
      verordnete Cannabis-Mundspray bezahlen.

      Großzügiger zeigte sich kürzlich das LSG Rheinland-Pfalz. Hier
      litt ein Kläger unter einer Psoriasis-Arthropathie. Ähnlich wie in
      den beiden oben berichteten Fällen aus Darmstadt meinte auch hier
      die Kasse, der Arzt habe Behandlungsalternativen nicht begründet
      ausgeschlossen. Das LSG Mainz sprach dem Patienten dennoch das zur
      Schmerzlinderung verordnete Cannabis zu. Der
      Arzt habe diese Therapie befürwortet, die Kasse dürfe sie daher
      nur in Ausnahmefällen ablehnen.


      LSG Darmstadt: L 8 KR 255/17 B ER (Schmerzsyndrom), L
      8 KR 366/17 B ER (Fibromyalgie) und L 8 KR 288/17 B ER
      (Bauchschmerzen). LSG Mainz: L 5 KR 140/17 B ER
      (Psoriasis-Arthropathie)


      Quelle: Ärztezeitung