Sie wirkt: die "gesetzliche Krankengeld-Falle"

      Die SWR-Info aus Trier ist jetzt weg ...

      .
      ... dafür haben wir hier nun die Pressemitteilung des Sozialgerichts Trier samt
      Aktenzeichen:





      Lücke bei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen kann zum Verlust des Kranken-
      geldanspruchs führen



      Schon eine nur einen einzigen Tag umfassende Lücke bei Arbeitsunfähigkeits-
      bescheinigungen kann zum vollständigen Verlust des Krankengeldanspruchs führen.
      Dies hat das Sozialgericht Trier im Beschluss vom 28.07.2016 entschieden.



      Bei einer Versicherten, deren Beschäftigungsverhältniswährend des Kranken-
      geldbezuges geendet hatte, war in einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bis zum
      08.05.2016 (Sonntag/Muttertag) Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Nach der ge-
      setzlichen Regelung wäre ihr Anspruch auf Zahlung von Krankengeld zwar bis zu dem
      Tag bestehen geblieben, an dem die weitere Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krank-
      heit ärztlich festgestellt wird. Doch gilt dies nur, wenn diese ärztliche Feststellung spä-
      testens am nächsten Werktag nach dem zuletzt bescheinigten Ende der Arbeitsunfähig-
      keit erfolgt – wobei insoweit Samstage nicht als Werktage gelten. Im konkreten Fäll hätte
      es deshalb ausgereicht, wenn die Versicherte noch am Montag, 09.05.2016 eine erneute
      ärztliche Feststellung erlangt hätte. Tatsächlich wurde aber erst am Dienstag,
      10.05.2016 eine weitere Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt.



      Die Krankenkasse hatte die Versicherte zuvor noch ausdrücklich darüber informiert, dass
      eine lückenlose Attestierung von Arbeitsunfähigkeit Voraussetzung für das Fortbestehen
      ihrer Mitgliedschaft mit Anspruch auf Krankengeld sei. Dieser Hinweis war zusätzlich
      mit ihr besprochen und eine entsprechende Erklärung von der Versicherten auch
      unterschrieben worden.



      Soweit sie jetzt im Verfahren geltend machte, die eintägige Lücke sei nur dadurch
      entstanden, weil die Arztpraxis am Montag nach Muttertag ausnahmsweise geschlossen
      gewesen sei, rechtfertigt dies nach der Entscheidung des Sozialgerichts Trier keine andere
      Beurteilung. Es komme nämlich nicht darauf an, welcher Arzt die Fortdauer der Arbeitsun-
      fähigkeit attestiert, vielmehr hätte die Versicherte auch beim Praxisvertreter, bzw. jedem
      anderen niedergelassenen Arzt die Fortdauer der Arbeitsunfähigkeit attestieren lassen
      können, um so die gesetzlichen Anspruchsvoraussetzungen weiterhin zu erfüllen.



      Ausnahmen vom Grundsatz der strengen nahtlosen Attestierung von Arbeitsunfähigkeit
      lasse die Rechtsprechung nur zu, wenn etwa ein Versicherter aufgrund Geschäfts- oder
      Handlungsunfähigkeit an einer Wiedervorstellung beim Arzt gehindert gewesen sei.
      Ein solcher Fall liege hier nicht vor.



      Mit der gesetzlichen Neuregelung in § 46 Satz 2 SGB V durch das GKV-Versorgungs-
      stärkungsgesetz vom 16.07.2015 habe der Gesetzgeber diesen Grundsatz für die Wochen-
      enden zwar noch gelockert – aufgrund der realistischen Praxiserfahrung, dass es an Wochen-
      enden für den Versicherten sehr schwierig werden kann, irgendwo eine weitere Arbeitsun-
      fähigkeitsbescheinigung zu erhalten. Eine über diese gesetzliche Regelung hinausgehende
      noch weitere Ausnahme für „Montage nach Muttertag“ o.ä. sei indes im Gesetz gerade
      nicht vorgesehen und könne von den Sozialgerichten auch nicht im Wege einer „Aus-
      legung“ erdacht werden. Die weitere Krankengeldzahlung ab dem 09.05.2016
      sei deshalb zu Recht abgelehnt worden.



      Sozialgericht Trier, Beschluss vom 28.07.2016
      – Aktenzeichen: S 5 KR 140/16 ER



      Seltsam nur, dass die Pressemitteilung hier (bisher) nicht steht:
      www2.mjv.rlp.de/Gerichte/Fachg…Trier/Pressemitteilungen/
      www2.mjv.rlp.de/Gerichte/Fachg…erichte/SG-Trier/Aktuell/
      www2.mjv.rlp.de/Rechtsprechung/

      Was soll man insgesamt davon halten? Ob sich der VzPräsSG damit für größere Aufgaben
      empfehlen wollte?

      Weiteres später ....
      .
      Dass sich der VzPräsSG Trier für größere Aufgaben empfehlen wollte, liegt nahe.
      Das SWR Fernsehen, Landesschau aktuell, Rheinland-Pfalz, Trier hat bereits am 29.07.2016,
      Stand 14.30 Uhr, über den Beschluss vom 28.07.2016 öffentlich informiert. Zu diesem
      Zeitpunkt konnte der VzPräsSG Trier nicht davon ausgehen, dass der Beschluss dem
      Antragsteller bzw. dessen Anwalt bereits bekannt ist.

      So viel Übermotivation ist auch mit anderen Unzulänglichkeiten verbunden. Schade, dass
      der Antragsteller bzw. sein Anwalt hier vermutlich nicht liest, denn die Frist für die Be-
      schwerde an das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz wäre lässig noch einzuhalten.

      Obwohl .... anwaltauskunft.de/magazin/beru…anspruch-auf-krankengeld/
      .
      Moin Czauderna,

      ja da sind wir einig:
      Der Bestätigung des MDK, „dass Frau G. aufgrund der Schwere der Diagnose
      mit Sicherheit arbeitsunfähig war“ bedurfte es eindeutig nicht.

      Aber wärst du – ohne den Team-Gedanken („toll ein anderer machts“ – die SBK
      hat sich nur dazu entschlossen, dem MDK zu folgen) auch zum selben Ergebnis
      gekommen? Mit welcher Begründung?

      Schönen Gruß
      Machts Sinn
      Mal ehrlich....
      ohne die Intervention des WDR und der damit verbundenen
      "Öffentlichkeit" hätte die Versicherte, egal wie krank sie ist,
      doch kaum eine Chance auf Wiederaufnahme der Krankengeldzahlung gehabt.
      Das hier war eine "glückliche" Einzelfallentscheidung - im Normalfall -
      siehe Aussage des Anwalts - hat ein Versicherter, auch später vor Gericht, keine Chance.
      "Wahre Größe" wäre gewesen, wenn die SB laut Ermessensspielraum ihr OK -
      und die Krankenkasse durchlaufend das Krankengeld weitergezahlt hätte.
      Gruss
      daggi58 :rolleyes:
      Hallo Anton,
      erst mal vorausgeschickt - ich hätte mich auch geäußert wenn meine Auffassung eine andere gewesen wäre, und wer mich in den Foren verfolgt hat, der wird dies auch bestätigen können.
      In diesem Fall wäre es bei mir folgendermaßen abgelaufen -
      1. Feststellung, dass Folgemeldung nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht
      2. Kontaktaufnahme (persönlich) mit der Versicherten und ggf. auch mit dem Arzt
      3. Die im Bericht genannte Begründung mit dem Feiertag, dem Brückentag und der Tatsache, dass eine stationäre Behandlung anstand, hätte auf jeden Fall für mich ausgereicht in diesem Fall die Folge-Meldung als korrekt anzuerkennen und Krankengeld zu zahlen.

      Fazit - Dieser Fall wäre kein Fall geworden und hätte es somit weder ins Fernsehen noch hierher geschafft (grins).
      Ich gebe gern zu, dass ich natürlich hier leicht reden bzw. schreiben habe - denn ich hatte hier nicht wirklich zu entscheiden, ich entscheide so etwas auch nie mehr
      und ich weiß auch, dass solche Entscheidungen auch nicht von jedem Verantwortlichen so getroffen werden, aber über das "Seelenleben" eines Krankenkassenmitarbeiters wollen wir an dieser Stelle mal lieber nicht diskutieren - ergibt sich vielleicht mal später bei einer anderen Gelegenheit.
      Noch etwas zum Beitrag von daggi58 - stimmt, stimmt aber auch wieder nicht, aber wie gesagt, dazu vielleicht später mal mehr.
      Gruss
      Czauderna

      Czauderna schrieb:

      In diesem Fall wäre es bei mir folgendermaßen abgelaufen -
      1. Feststellung, dass Folgemeldung nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht
      2. Kontaktaufnahme (persönlich) mit der Versicherten und ggf. auch mit dem Arzt
      3. Die im Bericht genannte Begründung mit dem Feiertag, dem Brückentag und der Tatsache, dass eine stationäre Behandlung anstand, hätte auf jeden Fall für mich ausgereicht in diesem Fall die Folge-Meldung als korrekt anzuerkennen und Krankengeld zu zahlen.


      Kann man davon ausgehen, dass auch Du ein Fallmanager warst?

      Auch ich habe schon komische Aussagen von der Fallmanagerin am Telefon zu hören bekommen, ich bin heute noch am überlegen, ob ich nicht eine Dienstaufsichtbeschwerde gegen gleich zwei Mitarbeiterin der KK zu stellen, denn was die eine so rausgelassen hat ist unter aller Sau.
      Mit freundlichen Grüßen Idefix -------------------------------------------------------------------
      Ich bin nicht die Signatur, ich putze hier nur. :putzen:
      Hallo,
      ja, war ich und das über 30 Jahre lang als Führungskraft, d.h. alle Entscheidungen welche von den SB`s nicht getroffen werden durften, liefen über meinen Schreibtisch.
      Beschwerden hatte ich natürlich auch, denn nicht immer ging es so aus, dass die Versicherten am Ende das bekamen, was sie meinten, bekommen zu müssen.
      Der Ton und die Art und Weise macht eben die Musik.
      Gruss
      Czauderna
      Hallo Czauderna,

      wenn man diese Aussage von dir

      Anmerkung Der Ton und die Art und Weise macht eben die Musik


      nicht nur auf Versicherte, sondern auch auf manche SB und auch Teamleiter von diversen Krankenkassen
      beziehen kann -
      dann kann ich die Bemerkung für mich akzeptieren.
      Gruss
      daggi58 :rolleyes:
      Hallo Daggi58,
      ich meinte ausschließlich den Ton und die Art und Weise seitens der Kasse - über das Verhalten und Auftreten von Versicherten bildet man sich in diesem Job höchstens eine private Meinung, das berufliche Handeln dagegen sollte davon nicht beeinflusst werden- meine ich jedenfalls.
      Gruss
      Czauderna

      Krankengeld-Skandal !

      Ja Czauderna,

      wenn es nach dir gegangen wäre, hätten wir jetzt vermutlich keinen „Krankengeld-Skandal“
      Können Sozialgerichte über Krankengeld entscheiden?. Es gäbe allenfalls mal „weniger glück-
      liche Entscheidungen“, im Einzelfall vielleicht auch Ärger wegen nicht zufriedenstellender Kulanz.

      Aber du weißt ja, nicht alle können so wie du und wie die Verantwortlichen im dargestellten Fall;
      nicht immer setzt sich das Fernsehen für humane Lösungen ein und wo doch, hilft das eher selten.

      Was ist mit den Betroffenen, die wegen einer aufgebauschten Lappalie / Formalie Pech haben, wenn
      sich Krankenkassen von der Öffentlichkeit, evtl. auch hier im Forum oder im Zusammenhang mit der
      Diskussion über Rechtsbeugung, zeit.de/gesellschaft/2016-09/r…t?cid=8989265#cid-8989265
      nicht beeindrucken lassen?

      Hier geht es um das weite Feld zwischen den bisherigen Entscheidungen der Sozialgerichte Trier,
      Mainz und Speyer, der aktuellen Entscheidung 5. Kammer des SG Trier vom 28.07.2016,
      S 5 KR 140/16 ER, unter VzPräsSG Dr. O. und der Lösung der SBK im dargestellten Fall.

      Alles irgendwie entlang der Grenze zwischen Legalität und Illegalität, konstruiert
      vom Bundessozialgericht und fortgeschrieben vom Gesetzgeber, beide auf dem
      langen gemeinsamen Weg vom sozialen Rechtsstaat zum strafenden Staat.

      Solange die "Lücke" zum Verlust des Anspruchs führt, statt zum Ruhen,
      wird keine Ruhe einkehren, jedenfalls nicht bei unstreitiger AU.

      Machts Sinn?

      ​die „gesetzliche Krankengeld-Falle“ bekämpfen !

      Wer Opfer der „gesetzlichen Krankengeld-Falle“ wird, muss sich dem damit verbundenen Schicksal nicht
      demütig fügen. Wie das Beispiel hier zeigt, kann Widerstand hilfreich sein:
      Sie wirkt: die "gesetzliche Krankengeld-Falle"

      Außer die Medien zu beteiligen, scheint es erforderlich, fristgerecht Widerspruch einzulegen. Das Landes-
      sozialgericht Baden-Württemberg hat mit Urteil vom 25.5.2016, L 5 KR 1063/15, nämlich zutreffend fest-
      gestellt


      Wegen der Eigenart der gesetzlichen Krankenversicherung als staatliche Pflichtversicherung
      mit Beitragszwang dürfen im Hinblick auf den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz (Art. 2 Abs. 1 GG)
      überzogene formale Anforderungen an Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (§ 46 Satz 1 Nr. 2 SGB V)
      nicht gestellt werden, erst Recht nicht, wenn sich dadurch der Versicherungsstatus des (Pflicht-)Ver-
      sicherten ändern und durch Zahlung der (Pflicht-)Beiträge erworbene Leistungsansprüche verloren
      gehen können (auch: Senatsurteil vom 23.09.2015, - L 5 KR 3888/14 -, juris).


      lrbw.juris.de/cgi-bin/laender_…nt.py?Gericht=bw&nr=20804

      Zu Details wird auf die Urteile des SG Mainz (insbes. 4.8) vom 31.08.2015, S 3 KR 405/13, und des SG Speyer
      vom 30.11.2015, S 19 KR 160/15, sowie vom 11.07.2016, S 19 KR 599/14, (jeweils insbes. V.) verwiesen:

      www3.mjv.rlp.de/rechtspr/Displ…9-48DC-9BB1-3488BF13F803}

      www3.mjv.rlp.de/rechtspr/Displ…E-4D51-890A-8F29286A92FA}

      www3.mjv.rlp.de/rechtspr/Displ…F-443C-BB58-5082AABAD587}

      "bescheinigtes Ende" - "Endbescheinigung"

      .
      Der erste Ansatzpunkt:

      Nach § 46 Satz 2 SGB V in der Fassung ab 23.07.2015 bleibt der Anspruch auf Krankengeld
      jeweils bis zu dem Tag bestehen, an dem die weitere Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krank-
      heit ärztlich festgestellt wird, wenn diese ärztliche Feststellung spätestens am nächsten Werktag
      nach dem zuletzt bescheinigten Ende der Arbeitsunfähigkeit erfolgt; Samstage gelten inso-
      weit nicht als Werktage.
      dejure.org/gesetze/SGB_V/46.html

      Da der Gesetzeswortlaut auf das bescheinigte Ende der Arbeitsunfähigkeit abstellt, kann damit
      kaum ein „voraussichtlich-arbeitsunfähig-bis-Datum“ gemeint sein. Stattdessen liegt durch den
      Zusammenhang von Gesetz und Formular nahe, dass es für die Anwendung der Bestimmung auf
      den „letzten Tag der Arbeitsunfähigkeit“ per „Endbescheinigung“ ankommt und die Krankengeld-
      Falle sonst nicht zuschnappen kann bzw. gar keine Falle ist:
      aok-gesundheitspartner.de/impe…ap_verordnung_muster1.pdf

      .
      Das ist natürlich ein Hammer, ich wüsste nicht was ich machen würde.

      Warum hat er einen Aufhebungsvertrag gemacht?
      Sowas ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Kk.
      Mit freundlichen Grüßen Idefix -------------------------------------------------------------------
      Ich bin nicht die Signatur, ich putze hier nur. :putzen:

      schon wieder ein Fall aus dem KKF ...

      ..
      krankenkassenforum.de/krankeng…675.html?highlight=#82675




      Sehr geehrte Damen und Herren,

      wie angekündigt begründe ich den Widerspruch ergänzend wie folgt:

      Nach § 46 SGB V in der Fassung ab 23.07.2015 dejure.org/gesetze/SGB_V/46.html ist mein Anspruch auf Krankengeld am 26.08.2016, vom Tag der ärztlichen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit an, entstanden.

      Der Singular-Wortlaut des ersten Satzes ist eindeutig. Er geht von einem Anspruch auf Krankengeld, von einem Tag einer ärztlichen Feststellung und von einer Arbeitsunfähigkeit aus. Für Plural-Auslegungen (mehrere: Ansprüche, Krankengelder, Tage, Feststellungen, Arbeitsunfähigkeiten) bleibt kein Raum.

      Daran ändert hier auch der zweite Satz nichts. Dessen Anwendung setzt ein zuvor „bescheinigtes Ende der Arbeitsunfähigkeit“ voraus. Diese Qualität einer „Endbescheinigung“ erfüllt meine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit dem „voraussichtlich-arbeitsunfähig-bis-Datum“ 10.10.2016 jedoch eindeutig nicht.

      Den relevanten Unterschied macht schon das Muster-Formular Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aok-gesundheitspartner.de/impe…ap_verordnung_muster1.pdf deutlich („voraussichtlich arbeitsunfähig bis einschließlich oder letzter Tag der Arbeitsunfähigkeit“, letzteres i. V. mit dem Kästchen „Endbescheinigung“).

      Im Übrigen ist jede voraussichtlich-bis-Bescheinigung unabhängig von der Prognose zur Dauer der Arbeitsunfähigkeit, sondern von Zufälligkeiten abhängig und administrativ bestimmt (§ 5 Abs. 4 AU-RL und Erläuterungen zur Vereinbarung über Vordrucke für die vertragsärztliche Versorgung zum voraussichtlich-bis-Datum in der AUB).

      Entsprechend den Urteilen der Sozialgerichte Speyer und Mainz besteht deswegen ein durchgehender Krankengeld-Anspruch.

      Unabhängig davon habe ich evtl. Obliegenheiten erfüllt, zur Aufrechterhaltung meines Anspruchs auf Krankengeld die weitere Arbeitsunfähigkeit rechtzeitig ärztlich feststellen und bescheinigen zu lassen. Nach Urlaubsabwesenheit meines Arztes konnte ich die Praxis am 10.10.2016 fernmündlich nicht erreichen. Ich war jedoch am 11.10.2016 persönlich dort. Obwohl ich der Sprechstundenhilfe sagte, dass ich einen Krankenschein brauche, konnte ich an diesem Tag nicht behandelt werden, weswegen es auch nicht zur gewünschten weiteren AU-Bescheinigung kam. Sie meinte, das sei kein Problem und gab mir einen Termin für den 13.10.2016. Obwohl ich dann auch den Arzt fragte, ob er die AUB eventuell zurückdatieren könne, meinte er, das sei ja eine Folgekrankschreibung und so o. K., also kein Problem.

      Die „Lücke“ ist also nicht von mir zu vertreten. Die Umstände sind mit dem vom Landessozialgericht Mainz durch Urteil vom 04.02.2016, L 5 KR 65/15, sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/e….php?modul=esgb&id=183658 entschiedenen Fall vergleichbar. Danach ist die ärztliche Feststellung / Bescheinigung der Fortdauer der Arbeitsunfähigkeit am Folgetag unschädlich, wenn der Versicherte die Arztpraxis rechtzeitig zur Feststellung weiterer Arbeitsunfähigkeit aufsucht, dort aber wegen überfüllter Praxis auf den nächsten Tag einbestellt wird und die ärztliche Feststellung erst an diesem Tag erfolgt. In diese Richtung urteilte auch das Landessozialgericht Stuttgart am 21.10.2014, L 11 KR 1242/14 sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/e….php?modul=esgb&id=173324

      Jedenfalls ist die durchgehende Arbeitsunfähigkeit am 13.10.2016 festgestellt und bescheinigt worden. Da die Arbeitsunfähigkeit unstreitig nicht unterbrochen war, wäre es unverhältnismäßig, den völligen Verlust des Krankengeld-Anspruchs darauf zu stützen. Dafür muss die Krankenkasse einstehen.

      Ergänzende wird auf das Urteil des LSG Baden-Württemberg vom 25.5.2016, L 5 KR 1063/15, lrbw.juris.de/cgi-bin/laender_…nt.py?Gericht=bw&nr=20804 verwiesen. Nach dem Leitsatz dazu dürfen wegen der Eigenart der gesetzlichen Krankenversicherung als staatliche Pflichtversicherung mit Beitragszwang im Hinblick auf den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz (Art. 2 Abs. 1 GG) überzogene formale Anforderungen an Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (§ 46 Satz 1 Nr. 2 SGB V) nicht gestellt werden, erst Recht nicht, wenn sich dadurch der Versicherungsstatus des (Pflicht-) Versicherten ändern und durch Zahlung der (Pflicht-)Beiträge erworbene Leistungsansprüche verloren gehen können.

      Zudem darf hier nicht übersehen werden, dass die „Lücke“ durch die Beteiligung des MDK „überbrückt“ ist. Er stellte die durchgehende Arbeitsunfähigkeit zwar erst anlässlich der persönlichen Untersuchung am 12.10.2016 fest. Da er von der Krankenkasse aber schon früher beteiligt wurde, wäre es unbillig, den Krankengeld-Anspruch wegen der Zufälligkeit verfallen zu lassen, dass es nicht zum Termin einen Tag früher kam.

      Unabhängig von all dem steht mir das Krankengeld per Verwaltungsakt mit Dauerwirkung zu. Dazu verweise ich vollinhaltlich auf die rechtlichen Argumente in den Urteilen der Sozialgerichte

      Speyer vom 30.11.2015 , S 19 KR 160/15
      www3.mjv.rlp.de/rechtspr/Displ…4D51-890A-8F29286A92FA%7d
      Mainz vom 21.03.2016, S 3 KR 255/14:
      www3.mjv.rlp.de/rechtspr/Displ…408B-A160-DFC31976559C%7d
      Speyer vom 11.07.2016, S 19 KR 599/14:
      www3.mjv.rlp.de/rechtspr/Displ…443C-BB58-5082AABAD587%7d
      Mainz vom 25.07.2016, S 3 KR 428/15:
      www3.mjv.rlp.de/rechtspr/Displ…426F-AEF4-0DA7E4CCFF61%7d

      Die Voraussetzungen einer Aufhebungsentscheidung nach § 48 SGB X liegen nicht vor; eine solche ist auch nicht ergangen. Nach allem kann ich weiterhin Krankengeld beanspruchen.

      Da der Widerspruch nach § 86a SGG aufschiebende Wirkung hat, bitte ich um sofortige Weiterzahlung ab 11.10.2016 und schriftliche Bestätigung innerhalb einer Woche. Ergänzend beziehe ich mich dazu auf das Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg vom 06.05.2015 sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/e…d=177904&s0=aufschiebende Wirkung&s1=&s2=&words=&sensitive=

      Mit freundlichen Grüßen


      .
      Hier eine Geschichte aus der Feder des 1. BSG-Senats unter Führung
      des früheren BSG-Präsidenten Peter Masuch:

      swr.de/forum/read.php?2,83591,85807,page=7#msg-85807

      Die illegale „BSG-Krankengeld-Falle“ ist zwar vor eineinhalb Jahren in die
      Gesetzliche Krankengeld-Falle“ umkonstruiert worden. An der Dramatik
      hat sich aber nichts geändert.

      Das Schlimmste ist die Ignoranz der Deutschen Sozialgerichtsbarkeit:
      blinde BSG-Papageien-„Recht“sprechung – obwohl die Urteile aus Speyer
      und Mainz aus den letzten 3 ½ Jahren längst die Alarmglocken läuten
      lassen (müssten).
      .