Reiserücktrittversicherung-psychisch Kranke ausgeschlossen

  • Reiserücktritt bei Depression nicht gedeckt
    Wer eine Reise samt Reiserücktrittsversicherung gebucht hat, aber dann an Depressionen erkrankt, kann nicht unbedingt auf Geld des Versicherers hoffen. Ein Amtsgericht bestätigt: Der Versicherer muss nicht zahlen, wenn er psychische Erkrankungen in seinen Versicherungsbedingungen ausgeschlossen hat.
    KÖLN. Der Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BDVN) kritisiert den Ausschluss von psychischen Erkrankungen bei Reiserücktrittsversicherungen. "Diese Praxis ist in hohem Maße unangemessen und diskriminierend", sagt der BVDN-Vorsitzende Dr. Frank Bergmann.
    Er bezieht sich auf ein aktuelles, noch nicht rechtskräftiges Urteil des Amtsgerichts München. Ein Ehepaar hatte eine Pauschalreise nach Mexiko storniert, nachdem bei dem Mann eine mittelgradige Depression diagnostiziert worden war.
    Der Reiserücktrittsversicherer lehnte die Erstattung der Stornokosten ab, da psychische Erkrankungen laut Versicherungsbedingungen ausgeschlossen sind.
    BVDN-Vorsitzender sieht Diskriminierung
    Dagegen sei nichts einzuwenden, entschied das Gericht. Die Klausel sei weder überraschend noch unverständlich. Das Interesse des Versicherers, nur bei "objektiv fassbaren, möglichst unproblematisch zu diagnostizierenden Erkrankungen" zu leisten, schlage sich im Tarif nieder, der den Versicherten zugutekomme.
    Eine möglichst reibungslose, kostengünstige Vertragsabwicklung sei gerade bei Einbeziehung psychischer Erkrankungen erheblich erschwert.
    Aus Sicht des BVDN-Vorsitzenden Bergmann ist das ein unhaltbarer Zustand und eine unerträgliche Diskriminierung. Depressionen seien eine lebensgefährliche Erkrankung, die häufig stationär behandelt werden müsse.
    "Diese Patienten brauchen unsere besondere Solidarität, stattdessen werden sie hier kaltschnäuzig abgestraft", betont Bergmann. (iss)
    Az.: 172 C 3451/13


    Quelle: Ärzte Zeitung Online



    Kommentar zum Urteil bei Reiserücktritt von psychisch Kranken


    Richter ohne Empathie


    Von Ilse Schlingensiepen


    Ein aktuelles Urteil des Amtsgerichts München zeigt, dass die Diskriminierung psychisch Kranker allen Aufklärungs- und Anti-Stigmatisierungskampagnen zum Trotz in vielen Köpfen noch tief verankert ist.


    Die Münchener Richter finden es in Ordnung, dass Reiserücktrittsversicherer psychische Erkrankungen nicht als Grund für Erstattung für die Kosten einer Reise-Stornierung akzeptieren.


    Die Argumentation: Der Ausschluss stehe in den Versicherungsbedingungen und sei auch für Laien verständlich. Doch die Richter gehen noch weiter.


    Das Vorgehen mache die Prämien für alle billiger, eine reibungslose, kostengünstige Vertragsabwicklung werde bei psychischen Erkrankungen erschwert, führen sie aus.


    Diese Krankheiten hingen stark von den persönlichen Dispositionen des Versicherten ab, praktisch jedes Geschehen komme dafür in Betracht.


    Psychisch Kranke haben demnach einfach Pech, weil ihre Fälle für die Versicherer nicht so einfach zu handhaben sind wie somatische Krankheiten.


    Eine solch lapidare Behandlung des Themas ist zynisch und spricht der Schwere dieser Erkrankungen und dem damit verbundenen Leid für die Patienten Hohn. Die Richter - und die Versicherer - haben offenbar noch viel zu lernen im Umgang mit psychisch Kranken.

  • Hi,
    ich weiß nicht ob das wirklich ein Skandal ist... das Problem an der Geschichte ist das das diese Person den Vertrag mit der Klausel unterschrieben hat d.H. eigentlich ist er/sie selber schuld. Klar ist das doof für alle die eine solche Reise buchen und dann Psychisch krank werden und gar keine Frage ist das auch eine beschissene Situation und Mehrbelastung. Ich bin aber der Meinung, das es auch Versicherungen gibt die solche Krankheiten mit abdecken aber da dürft ihr bei Interesse selber nochmal stöbern http://www.reiseruecktrittsversicherung.com/ratgeber/reiseruecktritt-wegen-krankheiten/ außerdem weiß ich auch nicht wie das Gutachten des Arztes aussah… wenn da nur etwas von leichten Depressionen drin stand, ist es für die Krankenkassen und den Richter, als wenn du dich beim Kochen schneidest… da kann ich die auch verstehen… auch wenn eine solche Klausel in einem Vertrag schon eine absolute Schweinerei und Dreistigkeit ist!
    lG Michi

  • Das Beispiel betrifft ein allgemeines Problem - nicht nur privater Versicherungen -
    mit der Frage:


    Welche Versicherungen braucht man wirklich und zahlt die Versicherung, wenn
    man sie braucht?


    Bei privaten Versicherungen hat man zumindest vorher eine Wahl ...

  • Leider ist es manchmal schwer psychische Krankheiten zu identifizieren. Aus dem Grund sind diese bei der Reiserückversicherungen nicht beachtet worden und.