Dravet-Syndrom nach 6-fach-Impfung im Säuglingsalter ist als Impfschaden anzuerkennen

  • Impfung stellt nicht nur Gelegenheitsursache für Dravet-Syndrom dar
    Das Bayerische Landessozialgericht hat
    entschieden, dass das Dravet-Syndrom nach einer 6-fach-Impfung im
    Säuglingsalter als Impfschaden anzuerkennen ist.


    Der 2000 geborene Kläger des zugrunde liegenden Verfahrens
    erhielt im dritten Lebensmonat eine 6-fach-Impfung gegen Tetanus,
    Diphtherie, Pertussis, Hib, Hepatitis B und Polio mit dem heute nicht
    mehr verwendeten Impfstoff Hexavac mit der Chargennummer T0242-I. Am
    dritten Tag nach der Impfung trat ein erster cerebraler Krampfanfall
    auf, dem zahlreiche weitere Krampfanfälle folgten. Noch im ersten
    Lebensjahr wurde eine Schwerbehinderung festgestellt. Die Anerkennung
    eines Impfschadens lehnte das Versorgungsamt jedoch unter Hinweis auf
    die zuvor eingeholten ärztlichen Gutachten ab.


    SG sieht Anfallsleiden als Folge der GenmutationIm
    Zuge des daran anschließenden Klageverfahrens vor dem Sozialgericht
    Bayreuth wurde zunächst ein molekulargenetisches Gutachten erstellt, das
    eine Mutation im SCNA-Gen und ein Dravet-Syndrom feststellte. Das
    Sozialgericht wies die Klage ab, weil das beim Kläger vorliegende
    Anfallsleiden Folge der Genmutation sei.


    LSG: Gewicht der Impfung ist mindestens so groß wie das der genetischen Veränderung.
    Im Berufungsverfahren holte das Bayerische Landessozialgericht mehrere
    umfassende medizinische Sachverständigengutachten zu der Frage ein, ob
    das beim Kläger vorliegende Dravet-Syndrom als Impfschaden zu bewerten
    sei. Im Anschluss hob das Landessozialgericht die Entscheidung des
    Sozialgerichts auf und sprach dem Kläger Leistungen nach dem
    Infektionsschutzgesetz zu. Das Gericht wertete den detaillierten
    Krankheitsverlauf wie auch die zahlreichen und umfangreichen
    medizinischen Stellungnahmen und Gutachten aus und gelangte dabei zu der
    Überzeugung, dass das Anfallsleiden des Klägers mit
    Entwicklungsretardierung (Dravet-Syndrom) rechtlich wesentlich auf die
    Impfung zurückzuführen sei. Bei der Impfung handle es sich nicht nur um
    eine Gelegenheitsursache für das Dravet-Syndrom, sondern um eine
    gegenüber der genetischen Mutation gleichwertige Mitursache. Das Gewicht
    der Impfung sei daher mindestens so groß wie das der genetischen
    Veränderung.


    Bayerisches LSG, Urteil vom 15.12.2015 - L 15 VJ 4/12 -

    Quelle: Bayerisches Landessozialgericht/ra-online

    Es grüßt Basti hi