Harnblasentumor kann nicht als Folge berufsbedingter Einwirkungen durch Benzoldämpfe als Berufskrankheit anerkannt werden

  • Blasenkrebs keine typische, durch entsprechende Schadstoff­einwirkungen entstehende Krebserkrankung :ohoh:

    Das Sozialgericht Karlsruhe hat entschieden,
    dass ein Harnblasentumor nicht als Folge berufsbedingter Einwirkungen
    durch Benzoldämpfe als Berufskrankheit Nr. 1303 anerkannt werden kann.
    Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sind typische, durch entsprechende
    Schadstoff­einwirkungen entstehende Krebserkrankungen Leukämien und
    Lymphome. Der Blasenkrebs ist dagegen von der Berufskrankheit
    Nr. 1303 nicht erfasst.


    Im zugrunde liegenden Verfahren diagnostizierten die behandelnden
    Ärzte bei dem rund 25 Jahre als Tanklastwagenfahrer beschäftigt
    gewesenen Kläger im März 2015 einen Harnblasentumor. Deswegen waren zwei
    Operationen erforderlich. Seinen Antrag, diese Gesundheitsstörung als
    Berufskrankheit der Nr. 1301 der Anl. 1 zur Berufskrankheitenverordnung
    (BKV) festzustellen, lehnte die zuständige Berufsgenossenschaft,
    gestützt auf eine Stellungnahme ihres Präventionsdienstes, mit der
    Begründung ab, dass der Kläger beruflich keinen Einwirkungen durch
    aromatische Amine ausgesetzt gewesen sei. Mit der Begründung seines
    gegen den Ablehnungsbescheid erhobenen Widerspruchs machte der Kläger
    eine langjährige starke berufliche Belastung durch Benzoldämpfe geltend
    und beantragte die Feststellung seiner Blasenkrebserkrankung als
    Berufskrankheit Nr. 1303. Auch diesen Antrag lehnte die
    Berufsgenossenschaft nach weiteren Ermittlungen ab.


    Blasenkrebs wird von Berufskrankheit Nr. 1303 nicht erfasst.
    Die deswegen erhobene Klage blieb ebenfalls erfolglos. Das Sozialgericht
    Karlsruhe entschied, dass der Kläger zwar unstreitig an einer
    Harnblasenkrebserkrankung leide. Er sei nach der Stellungnahme des
    Präventionsdienstes der Beklagten bei seiner Tätigkeit als
    Tanklastwagenfahrer auch in erhöhtem Ausmaß Einwirkungen durch
    Benzoldämpfe ausgesetzt gewesen. Dennoch scheide eine Feststellung der
    Erkrankung als Folge der streitigen Berufskrankheit aus. Zwar sei Benzol
    ein systemisches Kanzerogen. Typischen Erkrankungen durch entsprechende
    Schadstoffeinwirkungen seien indes Krebserkrankungen des blutbildenden
    Systems (Leukämien und Lymphome). Dagegen werde nach
    medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen der Blasenkrebs von der
    Berufskrankheit Nr. 1303 nicht erfasst. Die Benzolhomologe Toluol, Xylol
    und Styrol seien nach den zutreffenden Darlegungen des
    Präventionsdienstes nicht kanzerogen. Sie wirkten überdies nicht auf das
    Urogenitalsystem ein, sondern auf das Zentralnervensystem bzw. die
    Schleimhäute der oberen Atemwege und der Augen.


    SG Karlsruhe, Gerichtsbescheid vom 08.08.2016 - S 1 U 1231/16 -


    Quelle: Sozialgericht Karlsruhe/ra-onlin


    [anmerkung]schon erstaunlich wie sich Richter informieren.[/anmerkung]


    http://www.baua.de/de/Themen-v…en/pdf/Merkblatt-1303.pdf

    Es grüßt Basti hi